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Hintergrund-Informationen

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Wie häufig nutzen Kinder und Jugendliche das Internet?

Computer und Internet sind zu alltäglichen Bestandteilen der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen geworden. Der amerikanische Soziologe Don Tapscott bezeichnete diese als „Generation N(et)“, eine Generation, die bereits mit dem Internet aufgewachsen ist und dieses selbstverständlich in ihrem Leben nutzt (Tapsott, 1998). Dabei übernehmen die neuen Medien zahlreiche Funktionen und ersetzen in gewissen Maßen Fernseher, Radio oder Zeitung (Jukschat, 2012).

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest untersucht in jährlichen Studien das PC- und Internet-Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen.

Die Studien können abgerufen werden unter www.mpfs.de/startseite

Was bedeuten "riskanter/risikoarmer" oder "(dys-)funktionaler Gebrauch?

Die meisten Kinder und Jugendlichen nutzen Internet und PC auf eine gesunde, funktionale Art und Weise. Sie profitieren von den positiven Seiten und nutzen die zahlreichen Möglichkeiten, sich leichter und schneller zu informieren oder mit Freunden und Bekannten zu kommunizieren. Durch den hochqualifizierten Fachunterricht in Schulen verfügen Schülerinnen und Schüler meist über ein gutes technisches Verständnis. Aufgaben, die im realen Leben auftreten, können problemlos mit Hilfe der neuen Medien gelöst werden. Auch wenn dies z.T. bedeutet, dass sie viel Zeit am Computer verbringen, liegt der Fokus des Nutzens weiterhin auf der realen Welt (Petry, 2012).

Unter Umständen kann sich jedoch ein riskanter, dysfunktionaler Gebrauch entwickeln. Die lange Nutzungsdauer beeinträchtigt dann das alltägliche Leben des Betroffenen und die reale Welt verliert im Vergleich zur virtuellen Welt an Bedeutung. Zudem nehmen die Personen sich selbst und ihre Fähigkeiten sehr unterschiedlich wahr, je nachdem, ob sie diese in der realen oder virtuellen Welt einschätzen (Schuhler & Vogelgesang, 2012). Dies kann bedeuten, dass eine Person, die in der Realität aus Angst oder Scham kaum noch Kontakt zu anderen Personen aufnimmt, diese Aufgabe in der virtuellen Welt erfolgreich und mühelos bewältigt.

Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist ein dysfunktionaler Gebrauch häufig nur eine Übergangsphase. Wenn man früh interveniert, kann dieser noch verhältnismäßig einfach beeinflusst werden.

Was bedeutet Prävention?

Prävention kann man als einen „Überbegriff für Maßnahmen zur Vermeidung von Krankheiten bzw. zur Erhaltung von Gesundheit bei Einzelpersonen oder in der Bevölkerung“ verstehen (Troschke, 1999). Prävention versucht also, bestimmte Maßnahmen und Interventionen zu entwickeln und durchzuführen, um die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten oder andere unerwünschte Effekte zu veringern. Beispielsweise wird durch das Projekt Netzgänger versucht zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche eine riskantes Verhalten im Internet zeigen. 

Präventive Programme können nach Ansatzpunkten unterschieden werden. Einerseits gibt es Maßnahmen, die beim Einzelnen ansetzen und auf eine Veränderung des individuellen (Risiko-)Verhaltens abzielen („Verhaltensprävention“). Eine verhaltenspräventive Maßnahme hat beispielsweise das Ziel, Personen zu motivieren, mit dem Rauchen aufzuhören. Auch Netzgänger zählt zu den verhaltenspräventiven Programmen: Jüngere Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wie sie sich sicher im Internet bewegen können und so das Risiko, dass sie in Schwierigkeiten kommen, gesenkt werden.

Andererseits gibt es auch Maßnahmen, die versuchen, die Umgebung und Bedingungen zu verändern und somit einen indirekten Einfluss auszuüben ("Verhältnisprävention"). Ein Beispiel wäre hier das Einführen einer höheren Tabaksteuer, um den Tabakkonsum einzudämmen (Leppin, 2009). Ein Beispiel im Bereich des PC- und Internetkonsums ist die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle), die das Ziel hat Kinder und Jugendliche vor altersunangemessenen Spielen zu schützen.

Durch die Forschung im Bereich Prävention weiß man heute, dass es besser ist, gesundes Verhalten zu fördern als riskantes Verhalten verbieten zu wollen. Wichtige Aspekte, an denen man dafür ansetzen kann, sind die Verbesserung der Risikowahrnehmung der Zielgruppe, und die Stärkung der Selbstwirksamkeit. Außerdem ist es hilfreich, Strategien zu lehren, mit deren Hilfe eine Person die eigenen Fähigkeiten, zu planen und sich zu kontrollieren, verbessern kann (Schüz & Renneberg, 2006).

Was sind Peers? Warum ist Netzgänger ein Peer-Projekt?

Aus dem Englischen übersetzt bedeutet Peer „Gleichrangiger“. Mit Peers werden Mitglieder einer Gruppe von Personen bezeichnet, die ein ähnliches Alter haben, sich aber auch gleichgestellt fühlen, ähnliche Ziele haben und die sich gegenseitig beeinflussen (Kempen, 2007). Im Präventionskontext sind Peers geschulte Laien, die auf Augenhöhe mit ihrer Zielgruppe kommunizieren und so Inhalte authentischer vermitteln können (Backes, 2003).

peers

Die Wirksamkeit des Peer-Ansatzes basiert unter anderem auf der besonderen Bedeutung der  Peer-Group für Jugendliche. Im Laufe des Jugendalters grenzen sich Jugendliche zunehmend von ihrem Elternhaus ab und beginnen, eine eigene Persönlichkeit mit eigenem Einstellungen und Verhaltensweisen zu entwickeln. Als neues Bezugssystem, an dem sie sich orientieren, dienen Freunde und andere Jugendliche. In diesem Alter fällt es Jugendlichen häufig leichter, Inhalte anzunehmen, wenn ihnen diese von Peers, also anderen Jugendlichen, vermittelt werden. Im Bereich der Medien kommt hinzu, dass Jugendliche oft selbst mehr Erfahrungen mit aktuellen Themen haben und Informationen so glaubwürdiger weitergeben können.

Ein weiterer Aspekt, der aus wissenschaftlicher Sicht für die Beteiligung von Peers spricht, ist der Mechanismus des „Modelllernens“. Albert Bandura, ein kanadischer Psychologie, konnte zeigen, dass Verhaltensweisen allein durch das Beobachten einer anderen Person erlernt und anschließend selbst verwendet werden können. Dieser Effekt ist stärker, wenn sich die Person, die das Verhalten zeigt und die Person, die das Verhalten übernehmen soll, möglichst ähnlich sind (Bandura, 1976).

Im Projekt Netzgänger werden diese Aspekte genutzt, in dem ältere Schülerinnen und Schüler zu Peers ausgebildet werden, die glaubhafte und authentische Vorbilder sein und so ihre Kompetenzen an jüngere Schüler weitergeben können. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung konkreter Wissensinhalte, sondern auch um die Reflexion von Einstellungen, Wertvorstellungen und Überzeugungen. Durch die Auseinandersetzung auf Augenhöhe werden die Schülerinnen und Schüler dazu angeregt, sich aktiv und kritisch mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen.


Den Quellennachweis können Sie hier abrufen.